Wochenausblick: Hängepartie zwischen Fed, Berichtssaision und steigendem Öl
Rückblick: Die Märkte bleiben unter Druck
Aus Sicht der Charttechnik war es für die großen Aktienindizes keine einfache Woche. Der deutsche Leitindex DAX konnte den gleitenden Durchschnitt der vergangenen 50 Handelstage nicht verteidigen. Gleichzeitig bleibt der Bereich um 24.800 Punkte eine zentrale charttechnische Schlüsselmarke. Im Wochenverlauf notierte der Markt jedoch immer wieder unterhalb dieses Niveaus. Damit setzt sich die laufende Abwärtsbewegung fort und der Fokus richtet sich nun auf die nächste wichtige Unterstützungszone im Bereich von rund 24.600 Punkten. Solange der DAX diese Zone nicht nachhaltig zurückerobert, bleibt das charttechnische Bild angeschlagen.
Auch an den US-Märkten zeigt sich die Lage zunehmend schwieriger. Im Dow Jones hat sich inzwischen ein klarer kurzfristiger Abwärtstrend etabliert. Der Index hat sowohl den gleitenden 50-Tage-Durchschnitt als auch den 200-Tage-Durchschnitt getestet und die Marke von 52.000 Punkten nachhaltig unterschritten. Aus Sicht der Trendfolge spricht aktuell vieles dafür, bestehende Bewegungen eher auf der Short-Seite zu begleiten. In den vergangenen Wochen ließen sich die saubersten Setups regelmäßig von der Oberseite in Richtung Chartunterseite handeln. Solange sich daran nichts ändert, bleibt dieses Szenario aus technischer Sicht das wahrscheinlichere.
Auch die starken Quartalszahlen vieler Technologieunternehmen konnten beim Nasdaq und im S&P 500 bislang keine nachhaltige Erholung auslösen. Die Marktteilnehmer bleiben vorsichtig. Im S&P 500 hat sich nach mehreren gescheiterten Anläufen über 7.580 Punkten ein markanter Widerstandsbereich etabliert. Erholungsversuche wurden auch in der vergangenen Woche konsequent wieder verkauft. Damit befindet sich der Index weiterhin in einem intakten Abwärtstrend. Fällt nun auch das Wochentief bei rund 7.370 Punkten, eröffnet sich aus charttechnischer Sicht weiteres Potenzial bis in den Bereich von etwa 7.290 Punkten.
Noch kritischer präsentiert sich aktuell der Nasdaq 100. Die deutlichen Gewinnmitnahmen bei vielen Technologiewerten haben den Index bereits wieder an die Korrekturtiefs vom Juni herangeführt. Diese liegen im Bereich von rund 28.200 Punkten. Genau dort entscheidet sich nun, ob die Käufer noch einmal Stärke zeigen oder ob sich der Abwärtstrend weiter beschleunigt. Sollte diese Unterstützung brechen, ergibt sich aus der Projektion des letzten Measured Move ein nächstes technisches Kursziel im Bereich von rund 27.265 Punkten.
Die wichtigsten Konjunkturtermine der Woche
In der kommenden Handelswoche richtet sich der Blick deshalb nicht nur auf die Charts, sondern vor allem auf zahlreiche wichtige Termine. Das mit Abstand bedeutendste Ereignis wird die Zinsentscheidung der US-Notenbank am Mittwoch sein. Im Anschluss wird Fed-Chef Kevin Walsh auf der Pressekonferenz erläutern, wie die Notenbank die weitere Entwicklung der Geldpolitik einschätzt.
Dabei steht der Zinsmarkt zunehmend unter Spannung. Aktuell rentieren zweijährige US-Staatsanleihen bereits bei rund 4,3 Prozent, während der offizielle Leitzins der Fed weiterhin bei 3,5 Prozent liegt. Dieser ungewöhnliche Abstand zeigt deutlich, dass der Anleihemarkt inzwischen höhere Zinsen einpreist als aktuell von der Notenbank beschlossen wurden. Entsprechend aufmerksam werden Investoren jede Aussage der Fed zu Inflation, Wirtschaftswachstum und möglichen weiteren Zinsschritten verfolgen.
Neben der Fed stehen weitere wichtige Konjunkturdaten auf dem Programm. Bereits am Montag wird in Deutschland der Ifo-Geschäftsklimaindex veröffentlicht, der wichtige Hinweise auf die wirtschaftliche Entwicklung und damit auch auf den DAX liefern dürfte. Am Dienstag folgt in den USA das Verbrauchervertrauen. Den Abschluss bildet am Freitag die Zinsentscheidung der Bank of Japan, deren Aussagen insbesondere für die Devisenmärkte und den USDJPYvon großer Bedeutung sein werden.
Berichtssaison geht in die nächste Runde
Ein weiterer Schwerpunkt liegt selbstverständlich auf der Berichtssaison. Im DAX veröffentlichen unter anderem Mercedes-Benz, Deutsche Bank, BASF, BMW, Adidas und Siemens Healthineers ihre Quartalszahlen und geben zugleich einen Ausblick auf die kommenden Monate, was den deutschen Leitindex Bewegungspotential zusichert.
Noch spannender dürfte allerdings erneut die Berichtssaison in den USA werden. Mit Apple, Amazon, Microsoft, Meta und Seagate legen gleich mehrere Schwergewichte ihre Zahlen vor. Besonders interessant wird dabei weniger der Blick auf die aktuellen Gewinne als vielmehr auf die Entwicklung der Investitionen in künstliche Intelligenz. Die großen Technologiekonzerne gehören aktuell zu den Unternehmen mit den höchsten CapEx-Ausgaben weltweit. Investoren werden deshalb genau beobachten, ob diese milliardenschweren Investitionen inzwischen erste messbare Umsatz- und Gewinnbeiträge liefern oder ob der Ausbau der KI-Infrastruktur weiterhin vor allem die Kostenbasis erhöht. Genau diese Frage dürfte entscheidend dafür sein, wie der Markt die Zahlen letztlich bewertet.
Ölpreis bleibt im Aufwärtstrend
Auch am Rohstoffmarkt bleibt es spannend. Der Ölpreis notiert weiterhin oberhalb der Marke von 90 USD und der übergeordnete Aufwärtstrend ist aus charttechnischer Sicht weiterhin intakt. Das erste Zwischenziel im Bereich von rund 92 USD wurde bereits in der vergangenen Woche erreicht. Sollten sich die geopolitischen Spannungen rund um den Iran und die Straße von Hormus weiter verschärfen, sind aus heutiger Sicht auch deutlich höhere Ölpreise durchaus denkbar. Für kurzfristig orientierte Trader bleiben deshalb Rücksetzer innerhalb des bestehenden Aufwärtstrends weiterhin interessante Einstiegsmöglichkeiten auf der Long-Seite. Erst wenn sich die geopolitische Lage spürbar entspannt, dürfte auch beim Ölpreis wieder etwas Ruhe einkehren.
Fazit:
Insgesamt erwartet uns damit eine Handelswoche, die sowohl fundamental als auch charttechnisch enormes Potenzial für starke Kursbewegungen bietet. Zwischen Fed, Berichtssaison und geopolitischen Risiken dürften die kommenden Tage für Anleger und Trader gleichermaßen richtungsweisend werden.
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Ihr Tickmill-Analyst
Mike Seidl
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Sein Interesse an Wirtschaft und Geldanlagen begann in den frühen 1990-ern zu wachsen. Aus diesem Grund hat er seine Hochschulreife auf einem Wirtschaftsgymnasium erworben. Das dort erlangte Wirtschaftswissen und die Teilnahme an einem Börsenspiel, haben ihn endgültig für die Börse und die dort gebotenen Möglichkeiten Geld zu verdienen, infiziert.